Wer heute durch den Landshuter Hofgarten spaziert, vermutet vielleicht nicht, dass der Weinbau in Landshut auf eine jahrhundertealte Geschichte zurückblickt. An diese fast vergessene Tradition erinnert seit zehn Jahren der Schauweingarten der Weinzierlbruderschaft Achdorf-Berg.
Im Jahr 2026 können wir deshalb ein besonderes Jubiläum feiern: 10 Jahre Schauweingarten im Landshuter Hofgarten.
Und wir möchten dieses Jubiläum zum Anlass nehmen, nicht nur zurückzublicken, sondern die Landshuter Weingeschichte neu erlebbar zu machen.
Von einer alten Tradition zu 60 neuen Rebstöcken
Wein und Landshut – das gehörte über viele Jahrhunderte zusammen. Bereits im Mittelalter finden sich Hinweise auf Weinberge in Landshut und der näheren Umgebung. Die sonnigen Hänge rund um die Stadt boten geeignete Lagen für den Anbau von Reben.
Auch die Landshuter Herzöge schätzten und förderten den Weinbau. Eine besonders interessante historische Nachricht stammt aus dem Jahr 1380: Herzog Friedrich ließ Burgunderreben nach Landshut bringen und im Bereich der heutigen Burg Trausnitz anpflanzen.
Viele Jahrhunderte später entstand innerhalb der Weinzierlbruderschaft Achdorf-Berg die Idee, diese Geschichte wieder sichtbar zu machen.
Am 30. April 2016 war es schließlich so weit: Mitglieder der Weinzierlbruderschaft pflanzten im Landshuter Hofgarten 60 Rebstöcke. Maßgeblich beteiligt war Norbert Krieger, der zu dieser Zeit amtierende erste Bruderschaftsmeister der Weinzierlbruderschaft Achdorf-Berg. Im September 2016 wurde der Schauweingarten offiziell eingeweiht.
Aus einer Idee war ein kleiner Weinberg geworden. Seither wird hier jedes Jahr geschnitten, gebunden, ausgebrochen, gepflegt – und natürlich gelesen.
Ein lebendiges Rebsortenmuseum
Der Schauweingarten soll nicht einfach nur zeigen, wie eine Weinrebe aussieht. Von Anfang an war ein wichtiges Ziel, an Rebsorten zu erinnern, die früher in unserer Region und in Mitteleuropa verbreitet waren und heute weitgehend aus den Weinbergen verschwunden sind.
Dazu gehört beispielsweise der Weiße Heunisch, eine der kulturgeschichtlich bedeutenden alten europäischen Rebsorten. Auch Weißer Honigler, Roter Traminer und Blauer Kölner sind im Schauweingarten zu finden.
Damit stehen dort Rebsorten, deren Namen heute selbst vielen Weinfreunden kaum noch geläufig sind.
Doch Weinbau ist nicht nur Geschichte. Deshalb wachsen neben den historischen Reben auch jüngere, moderne und pilzwiderstandsfähige Sorten, darunter Johanniter, Regent und Pinotin. Sie zeigen, wie sich der Weinbau weiterentwickelt und welche Bedeutung widerstandsfähige Rebsorten heute haben.
So begegnen sich auf wenigen Quadratmetern Vergangenheit und Gegenwart des Weinbaus.
Vom Rebstock ins Glas
Ein Schauweingarten wäre für die Weinzierlbruderschaft aber nur halb so interessant, wenn man die Trauben am Ende lediglich betrachten würde.
Deshalb wird gelesen.
Aus den Trauben entsteht jedes Jahr eine kleine Menge Landshuter Wein. Große Erträge sind dabei weder möglich noch das Ziel. Entscheidend ist vielmehr, den gesamten Weg des Weines vom Rebschnitt über die Pflege der Reben und die Traubenlese bis zum fertigen Wein nachvollziehen zu können.
Das Jubiläumsjahr hat uns besonders schöne Trauben beschert. Bei der Weinlese 2026 konnten rund 25 Liter Most mit 90 Grad Oechsle gewonnen werden.
Und zum zehnten Geburtstag haben wir etwas Neues ausprobiert: Erstmals wurden die weißen und roten Trauben des Schauweingartens gemeinsam verarbeitet. So entsteht ein ganz besonderer Jubiläumswein des Jahrgangs 2026.
Bei der ersten Stadtführung zum Thema Wein und Weinbau in Landshut soll der junge Jubiläumswein erstmals verkostet werden.
Vom Schauweingarten zum ersten „Weingut“ im Landkreis
Mit der Geschichte des Schauweingartens ist der Name Norbert Krieger eng verbunden. Als zu dieser Zeit amtierender erster Bruderschaftsmeister begleitete Norbert Krieger die Entstehung und Pflanzung des Schauweingartens im Jahr 2016 maßgeblich.
Die Beschäftigung mit dem Weinbau ist für Norbert Krieger inzwischen längst nicht beim Schauweingarten geblieben. Heute betreibt Norbert Krieger in Deutenkofen die Weinmanufaktur Norbert Krieger und damit das erste „Weingut“ im Landkreis Landshut.
Damit hat sich in den vergangenen zehn Jahren ein bemerkenswerter Bogen entwickelt: von der Erinnerung an den historischen Landshuter Weinbau über die Pflanzung eines kleinen Schauweingartens bis hin zu neuem Weinbau im Landkreis.
Auch beim Jubiläumswochenende können Besucher diesen Wein kennenlernen. Bei der Stadtführung werden neben dem jungen Wein aus dem Schauweingarten auch Weine aus der Weinmanufaktur Norbert Krieger in Deutenkofen ausgeschenkt.
Zehn Jahre Arbeit vieler Hände
Dass aus 60 kleinen Rebstöcken ein Schauweingarten werden konnte, der heute selbstverständlich zum Hofgarten gehört, ist vor allem dem Engagement vieler Mitglieder zu verdanken.
Ein Weinberg macht Arbeit – auch ein kleiner. Reben müssen geschnitten und angebunden, Triebe ausgebrochen und Laubarbeiten durchgeführt werden. Im Herbst folgt die Lese, anschließend beginnt die Arbeit im Keller.
Der Schauweingarten ist deshalb kein statisches Denkmal. Er verändert sich mit den Jahreszeiten und lebt von den Menschen, die sich um ihn kümmern.
Für uns ist das zehnjährige Jubiläum daher nicht nur ein Geburtstag, sondern auch Anlass, allen zu danken, die den Schauweingarten in diesen zehn Jahren aufgebaut, gepflegt und begleitet haben.
Wo waren eigentlich Landshuts Weinberge?
Zum Jubiläum möchten wir den Blick nun über den Schauweingarten hinaus richten.
Denn wer weiß heute noch, wo in Landshut früher Wein angebaut wurde? Welche Bedeutung hatte der Wein für die Stadt und die Landshuter Herzöge? Welche Rebsorten wuchsen hier? Warum verschwand der Weinbau schließlich? Und gibt es Orte, Namen oder andere Spuren, an denen sich diese Vergangenheit noch heute erkennen lässt?
Diesen Fragen widmet sich erstmals eine eigene Stadtführung zum Thema „Wein und Weinbau in Landshut“.
Stadtführer Christian Baier nimmt die Teilnehmer mit auf eine Reise durch mehrere Jahrhunderte Landshuter Weingeschichte. Ausgangspunkt ist mit der Burg Trausnitz ein Ort, der selbst eng mit dieser Geschichte verbunden ist.
Von dort geht es auf die Spuren der früheren Weinberge, der Landshuter Herzöge und der Menschen, die hier Wein anbauten. Historische Weinlagen und alte Rebsorten gehören ebenso dazu wie die Frage, weshalb der Weinbau aus dem Landshuter Stadtbild weitgehend verschwunden ist und wo seine Spuren dennoch bis heute zu finden sind.
Zum Abschluss darf natürlich der heutige Weinbau nicht fehlen. Im Jubiläumsjahr bietet sich dafür eine besondere Gelegenheit: Neben dem jungen Landshuter Jubiläumswein 2026 aus dem Schauweingarten können auch Weine aus der Weinmanufaktur Norbert Krieger probiert werden.
„Mit dem Schauweingarten wollen wir nicht nur an die frühere Weinbautradition erinnern, sondern sie auch wieder erlebbar machen“, sagt Sabine Fleischer, 1. Bruderschaftsmeisterin der Weinzierlbruderschaft Achdorf-Berg. „Nach zehn Jahren ist es ein schöner Anlass, über den Schauweingarten hinauszugehen und gemeinsam die Spuren des Weinbaus in Landshut zu entdecken.“
Ein Wochenende im Zeichen des Landshuter Weins
Wer sich für Wein aus der Region interessiert, kann bereits am Vorabend auf den Geschmack kommen.
Am Freitag, 9. Oktober 2026, um 19 Uhr findet im Pfarrheim St. Margaret das „Weindorf Achdorf“ statt. Auch dort werden Weine aus der Weinmanufaktur Norbert Krieger zur Verkostung angeboten.
Damit stehen gleich zwei Tage im Zeichen des Weins: Am Freitagabend kann beim Weindorf Achdorf probiert und genossen werden, am Samstag geht es bei der Stadtführung auf historische Spurensuche durch Landshut.
Erste Stadtführung „Wein und Weinbau in Landshut“
Samstag, 10. Oktober 2026
Beginn: 14 Uhr
Treffpunkt: offizieller Besucherparkplatz der Burg Trausnitz
Stadtführer: Christian Baier
Kostenbeitrag: 10 Euro pro Person
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Wir freuen uns auf alle, die mit uns zehn Jahre Schauweingarten feiern, Landshuts fast vergessene Weinbautradition entdecken und dabei auch erleben möchten, dass Weinbau in Stadt und Landkreis nicht nur Geschichte ist.

haben wir die Ernte 2026 in unserem Schauweingarten eingefahren, der in diesem Jahr bereits sein zehnjähriges Jubiläum feiert.